Otto und Giovanna, unsere neuen Mitbewohner

Ich oute mich: ich hamstere: Mehl in allen Variationen!

Es ist so weit, der Hamster hat auch mich erwischt. Doch ich habe einen Grund, nämlich 2 neue Mitbewohner*innen: Otto und Giovanna. Gut, die beiden sind noch klein, aber sie brauchen täglich Nahrung: Mehl!

Otto ist mein neuer Roggensauerteig, Giovanna ist noch im Werde-Prozess, sie wird meine Lievito madre. Ist zwar im italienischen männlich, aber meine Hefe ist eindeutig weiblich!

Backen ist Entspannung, Kochen ist Genuss.

Und bei immer länger werdenden Schlangen vorm Bäcker habe ich das Brotbacken für mich wiederentdeckt. Allerdings stellte mich diese Leidenschaft vor eine neue Herausforderung: Wie komme ich an das Luxusgut MEHL?

Die Lösung: Flexibilität! Ich nehme das, was da ist. Heute war es Buchweizenmehl, Dinkelgries und italienisches Pizza-Mehl. Perfekt! Letzte Woche gab es Roggen- und Weizenvollkornmehl im Reformhaus. Ich kaufe was ich kriegen kann, natürlich in haushaltsüblichen Mengen. Brotbacken kann ich mit nahezu allem. Die Abwechslung ist gesund, spannend und lecker. Statt Backpulver tuts auch Natron, auch wenn die Brötchen dann etwas kompakter werden. Nur die Hefe, die war nicht zu bekommen, und ich finde, hier ist Natron keine Alternative …

Not macht erfinderisch, heißt es ja so schön. Ich würde sagen, Not macht neugierig. Nachdem ich bei jedem der wohlüberlegten und geplanten Einkäufe – spontan mal eben einkaufen gehen ist in Corona-Zeiten nicht drin – in den vergangenen Wochen vergeblich das Kühlregal nach Hefe abgesucht habe, bin ich im Netz auf die Suche gegangen. Und fündig geworden bei So nach Gefühl, eine tolle Webseite mit besonderen Rezepten der Slow-food-Küche. Der Name sprach die begeisterte Heim-Bäckerin und -Hobby-Köchin in mir sofort an. Hier habe ich das Rezept für meine eigene Giovanna gefunden und auch direkt einen Sauerteig-Otto für mein Roggenmehl angerührt. Beide standen ein paar Tage im Bad unter der Heizung, dicht beieinander, nachts gut eingewickelt. Denn beide brauchen Zeit, Wärme und Aufmerksamkeit. Giovanna insgesamt 10 und Otto, der Sauerteig, 7 Tage. Täglich werden sie mit neuem Mehl und Wasser versorgt, umsorgt und – in Ruhe gelassen.

Das ist eine gute Übung, wie wir selbst aus diesem Hamsterrad des Schneller, Besser, Weiter aussteigen können. Alles steht uns immer und sofort zur Verfügung, das war unser gewohnter Alltag. Das ist jetzt anders. Jetzt brauchen wir Geduld. Also warte ich. Auch wenn es mir schwer fällt!

Giovanna wird noch ein paar Tage brauchen, aber mit Otto habe ich eben mein erstes Brot gebacken. Ich bin neugierig, wie es schmeckt!

Und nächste Woche bereite ich die Beete und Kübel im Garten vor. Für Tomaten, Zucchini, Petersilie, Basilikum, Koriander…

Es ist ein gutes Gefühl, sich selbst und die Lieben in dieser Zeit mit großer Sorgfalt und Achtsamkeit zu ernähren, es tut Körper und Seele gut. Und bei so vielen schlechten Nachrichten brauchen wir etwas Schönes, etwas, an dem wir unser Herz erfreuen können. Ein gutes Essen ist etwas Wundervolles, besonders, wenn Zutaten und Zubereitung schon so viel Freude bereitet haben. Und ich in überzeugt:

Achtsamkeit und Muße kann man schmecken!

Update , 2 Wochen später:
Nichts geht mehr im gewohnten „mal eben schnell“ Modus, manchmal ist es schon herrlich, manchmal noch anstrengend. Brotbacken ist hier eine hervorragende Schule. Will ich ein Brot backen, fange ich mindestens einen Tag vorher an, den Teig vorzubereiten. Das ist eigentlich nicht meine Art, ich bin schon eher die Spontane. Aber es beginnt mir zu gefallen. Und nun ist auch Giovanna soweit, dass ich mit ihr backen kann.

Und ich bin stolz auf das Ergebnis von 24Stunden warten 🙂

Und interessierten BäckerInnen schicke ich gerne das Rezept. Schreibt mir einfach im Kommentar unten!

Jana

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